CLOU – Von „good practice" zu "next practice“

Umgesetztes Projekt

Ziele

1. Ausgangslage

Fort- und Weiterbildung wird grundsätzlich als Teil eines Professionalisierungskontinuums von lebenslangem Lernen gesehen (Schratz 2012a).

Huber (2009, 183) versucht eine Definition der Begriffe Fort- und Weiterbildung, indem er meint, dass „Fort- und Weiterbildung […] alle Maßnahmen [umfasst], die der Erweiterung und Verbesserung beruflicher Handlungskompetenz dienen.“

 

Nach Timperley et al. (2007, 81) müssen erfolgreiche Fortbildungen Lehrpersonen die Folgen veränderten unterrichtlichen Handelns verdeutlichen. Dieses Bewusstsein für die eigene Wirksamkeit entspricht auch dem Bedürfnis vieler Lehrkräfte, aus der Fortbildung etwas Konkretes, unmittelbar Verwertbares für den eigenen Unterricht mitnehmen zu können.

 

Wenn Fortbildungen das Ziel verfolgen, den alltäglichen Unterricht zu verändern sowie das Handeln von Lehrpersonen zu erweitern, erscheint es auch naheliegend, dass den teilnehmenden Lehrpersonen ausreichend Gelegenheit geboten wird, ihr vorhandenes konzeptionelles Verständnis zu vertiefen, neues Wissen aufzubauen sowie vorherrschende Handlungsmuster zu erkennen, zu reflektieren und gegebenenfalls zu verändern.

 

„Fortbildungen können dann mit einer größeren Wahrscheinlichkeit Veränderungen bei Lehrpersonen und ihren Schülern hervorrufen, wenn sie einen engen fachlichen Fokus haben, wenn sie auf eine Erweiterung fachdidaktischen Lehrerwissens abzielen und den teilnehmenden Lehrpersonen am Beispiel wichtiger und zentraler Unterrichtsthemen Anregungen für die konkrete Unterrichtsgestaltung geben und dabei auf den Wissensaufbau, die Entwicklung von Verständnis und die Antizipation und Diagnose von Lernprozessen fokussieren“ (Lipowsky, Rzejak 2012, 8).

 

In diesem Zusammenhang nimmt laut Lipowsky besonders Feedback an die Lehrpersonen eine zentrale Funktion ein.

„Wenn sich das Lehrerhandeln in eine bestimmte Richtung weiterentwickeln soll, erscheint es notwendig, den an einer Fortbildung teilnehmenden Lehrpersonen Rückmeldungen zu ihrem unterrichtlichen Handeln und/oder über die Leistungen ihrer Schüler zu geben. Rückmeldungen an die Lehrpersonen sind auch deshalb bedeutsam, weil man nicht zwingend davon ausgehen kann, dass Lehrpersonen die mit der Fortbildung intendierten Veränderungen in ihrem unterrichtlichen Handeln auch bewusst registrieren und erkennen.“ (Lipowsky 2002, 9)

Lipowsky und Rzejak weisen in diesem Zusammenhang auch auf die Gefahr hin, dass „Lehrerteams, ohne Rückmeldungen und ein Korrektiv von außen, keine nachhaltigen Veränderungen ihrer Unterrichtspraxis erreichen, da der Horizont für unterrichtliche Veränderungen ohne Perspektive von außen begrenzt sei.“ (ebd., 10)

 

Vor allem durch Vernetzungsaktivitäten und regionales Bildungsmanagement können Kompetenzentwicklung und Professionalisierung von Einzelpersonen und Einzelsystemen eine neue Qualität erreichen und dabei von „good practice" zu „next practice" gelangen. (Rolf, Schley 2006).

 

 

2. Motive:

Die oben genannten Ausführungen waren handlungsleitend für die Konzeption von CLOU (= Cluster oberösterreichischer Unterrichtsentwicklung). CLOU ist ein Netzwerk von Hospitationsschulen. Gleichzeitig steht der Begriff für ein Fortbildungsformat, das durch die Elemente Unterrichtsbesuch, Beobachtung und Reflexion definiert wird.

Im Sinne eines konstruktivistischen Ansatzes soll Lernen als konstruktiver Prozess im Mittelpunkt stehen, für den die Interaktionen mit anderen eine wesentliche Qualität darstellt. Dieses Lernen in Kooperation soll sich auf den verschiedenen Ebenen (der Schüler/innen, der Lehrer/innen und der CLOU-Lehrenden) spiegeln.

 

Gerade vor dem Hintergrund der flächendeckenden Einführung von „Neuen Mittelschulen“ und der damit verstärkten Herausforderung des Unterrichts in heterogenen Klassen war der Wunsch vieler Pädagoginnen und Pädagogen vorhanden, Antworten und Praxishinweise zu Themen wie Teamteaching, kooperatives Lernen, Rhythmisierung des Unterrichts etc. zu erhalten und sich an bereits vorhandenen Umsetzungsmodellen zu orientieren.

CLOU wurde als Format konzipiert, mit dem auf gesellschaftliche Entwicklungen, bildungspolitische Initiativen, aktuelle Forschungserkenntnisse und spezifische Bedarfe der Lehrer/innen gut reagiert werden kann. Dabei soll der Blick in die Praxis mit Theorie geschärft werden.

 

 

3. Ziele:

Mit diesem Format soll Weiterentwicklung von Unterricht durch das Voneinander-Lernen über eine Feedback- und Reflexionskultur ermöglicht werden.

Kollegiale Unterrichtshospitationen mit anschließendem Feedback gelten allgemein als sehr wirksame Methode, den eigenen Unterricht zu reflektieren und zur Professionalisierung der Lehrkräfte beizutragen, denn „Je länger Lehrkräfte im Beruf sind, desto schwieriger wird es, eingefahrenen Routinen zu entkommen (...) Mit der Zeit können sich die immer gleichen 'Fehler’ einschleichen, die nicht einmal von einem selbst bemerkt werden. Wenn viele Lehrkräfte diese blinden Flecken zwar unbewusst spüren, sie aber nicht bewusst wahrnehmen und somit auch nicht ändern können, hilft hier Rückspiegelung (Feedback) durch Dritte“. (Horster, Rolff 2006, 56)

Der Austausch praxiserprobter Modelle im CLOU soll daher den Diskussionsprozess und die Weiterentwicklung von Unterricht ganz gezielt fördern. Dabei geht es in diesem Fortbildungsformat darum,

• den Erfahrungsaustausch und didaktisches Know-how zwischen Schulen durch persönliche Begegnungen zu fördern,

• die Professionalisierung der Beteiligten und die Weiterentwicklung ihrer Schulen zu ermöglichen,

• die erprobten Ansätze „aus der Praxis für die Praxis“ zur späteren Verbreitung aufzubereiten sowie

• den eigenen Unterricht zu reflektieren und nachhaltig weiter zu entwickeln.

Kurzzusammenfassung

CLOU (=Cluster oberösterreichischer Unterrichtsentwicklung) ist ein Netzwerk von Hospitationsschulen und gleichzeitig ein Format für Fortbildung, bei dem Lehrer/innen Klassenzimmertüren öffnen und Unterricht für Kolleginnen und Kollegen erlebbar machen. Dabei bietet die kollegiale Hospitation Lernmöglichkeiten sowohl für die unterrichtende CLOU-Lehrperson als auch für die Hospitierenden.

Basis bildet ein Konzept kooperativer Lernformen, eingebettet in die Theorie des Konstruktivismus. Dieser kollegiale Erfahrungsaustausch bietet eine Strategie zur Unterstützung von Unterrichtsprozessen, die insbesondere für die Entwicklung von Innovationen geeignet erscheint, beispielsweise bei Herausforderungen wie Unterricht im heterogenen Klassenverband oder in Deutschförderklassen.

CLOU gibt keine Rezepte vor, sondern verlangt von der Lehrperson, den eigenen Standpunkt zu bestimmen, den eigenen Unterricht im Lichte des Gesehenen zu reflektieren und weiter zu entwickeln.

Neben der Schüler/innen- und Lehrer/innenebene sollen kooperative Lernformen auch

auf der Ebene der CLOU-Lehrenden zur (Weiter)Professionalisierung genutzt werden, z.B. bei gegenseitigen beobachtungsgeleiteten Hospitationen.

Im Rahmen von institutionalisierter Vernetzung von Hospitationsschulen in schulübergreifenden Fortbildungen sollen Lerndesigns erstellt und reflektiert werden.

Weiterentwicklung von Unterricht durch das Lernen voneinander über eine Feedback- und Reflexionskultur sind zentrale Anliegen von CLOU.

Summary

CLOU (Cluster of Educational Development in Upper Austria) is a network of schools, which offer the opportunity of job shadowing for teachers. At the same time, it is a form of on-the-job-training where teachers open their classrooms and give colleagues the opportunity to experience their teaching.

The foundation of CLOU is the idea of cooperative learning, which is based in the theory of Constructivism. The job shadowing of colleagues promotes the exchange of experiences, which can support the development and implementation of innovative learning environments as well as the handling of challenging situations in the classroom like teaching in a heterogeneous classroom or in remedial German classes. CLOU does not offer ready-made applications or solutions. It asks the teacher to determine his/her own position and to reflect and improve his/her own teaching based on the new experiences.

Forms of cooperative learning are also applied within the group of the CLOU-lecturers themselves in order to give a more professional character to their job, e.g. when doing job shadowing within the group of lecturers. The University of Education Upper Austria has built a network of schools offering job shadowing. The on-the-job-trainings across these schools help teachers develop designs for learning and reflect on them.

A vital concern of CLOU is developing and improving one`s own teaching by learning from each other in the schools in an atmosphere of feedback and reflection.

Nähere Beschreibung

Mit CLOU (= Cluster oberösterreichischer Unterrichtsentwicklung) wird in Oberösterreich ein Netzwerk von unterschiedlichen Cluster-Hospitationsschulen aufgebaut.

Basis bildet dabei in allen Clusterschulen das Konzept von SAM (Schüleraktivierende Methoden) und dem kooperativen Lernen, eingebettet in die Theorie des Konstruktivismus.

 

Beim Fortbildungsangebot des Programms „CLOU" öffnen Lehrerinnen und Lehrer die Türen ihrer Klassenzimmer und machen Unterricht für Kolleginnen und Kollegen erlebbar. Dabei bietet die kollegiale Hospitation Lernmöglichkeiten für beide Beteiligten sowohl für die unterrichtende CLOU-Lehrperson als auch für die hospitierenden Kolleginnen und Kollegen.

 

Das Konzept des CLOU umfasst folgende Bausteine:

• Vorbereitende Konferenz für anbietende Schulen/CLOU-Lehrer/innen

• Anbahnung, Ausschreibung und Koordination von Hospitationsmöglichkeiten

• CLOU-Angebote: Hospitationsmöglichkeiten an ausgewählten Schulstandorten in OÖ

• Reflexion und Feedback im Anschluss an die Hospitation

• Evaluation des Programms

 

1. Vorbereitende Konferenz für alle CLOU-Lehrerinnen und Lehrer

Dieses Forum wird für Referentinnen und Referenten der Hospitationsschulen begleitend zu den CLOU- Veranstaltungen angeboten. Kurzreferate (z. B. „Reflexion und ihre Bedeutung für die Kompetenzbildung“ oder „Kompetenz - zwischen Kontingenz und Performanz“), Informationsaustausch und Arbeitsatelier bieten dabei die Möglichkeit zur Vertiefung der praktischen Arbeit von CLOU Schulen.

 

2. Anbahnung, Ausschreibung und Koordination von Hospitationsmöglichkeiten

Auf der Homepage der PH OÖ können die Hospitationsangebote als Fortbildungsveranstaltung ausgewählt werden. Über PH-Online melden sich Lehrer/innen zu einer Hospitation an der jeweiligen Schule an. Die Teilnehmer/innenzahl für die jeweiligen Hospitationen muss relativ klein gehalten werden, da die Schulen nur über bedingte Aufnahmekapazitäten - abhängig von der jeweiligen Klassengröße etc. - verfügen.

 

3. CLOU Angebote

Das Angebot richtet sich bisher vor allem an Grundschulen und Mittelschulen und umfasst jährlich rund 30 Fortbildungsveranstaltungen.

 

3.1. Der inhaltliche Fokus der CLOU-Angebote orientiert sich an den gegebenen bzw. aktuellen Anforderungen in der Schul- und Unterrichtsentwicklung. Mit CLOU kann auch auf spezielle Innovationen bzw. gewünschte Entwicklungen flexibel mit Unterstützungsangeboten reagiert und Umsetzungen von Bewährtem und Neuem sichbar und erlebbar gemacht werden.

 

3.1.1. Fokus „Kooperatives Lernen“: Ausgangspunkt für die Entwicklung dieses Formats war die Implementierung des Konzeptes der Neuen Mittelschulen, das Herausforderungen wie Unterricht im heterogenen Klassenverband, Teamteaching, Kooperative Lernformen, Rhythmisierung des Unterrichts, Portfolioarbeit usw. mit sich brachte.

3.1.2. Fokus „(Über)Fachliches Lernen“: Auf Basis kooperativer Lernformen gibt es CLOU auch im Fach, beispielsweise im Rahmen spezieller Unterrichtsentwicklungsprojekte oder fachbezogenen Neuerungen.

• Beispiel „TheMa“: Das Projekt „Themenorientierte Mathematik“ umfasst 30 Klassen, in denen Mathematik entlang von Handlungsfeldern mit kooperativen Lernformen umgesetzt wird. Für diese Lehrenden bietet CLOU die Möglichkeit, sich an bereits vorhandenen Modellen und Erfahrungen zu orientieren.

• Beispiel „Sprachliche Bildung“: Unterstützung in der Diagnose, Beobachtung und Förderung für die Arbeit in Deutschförderklassen ist ein aktuell entwickeltes Angebot im Rahmen von CLOU.

• Weitere Themen sind beispielsweise Sichern von Grundkompetenzen, Englisch inter@ctive, Lese- und Textverständnis, e-learning & Arbeit mit Moodle.

 

 

3.2. Erweiterung der Zielgruppe:

• CLOU richtete sich bisher an Pädagoginnen und Pädagogen der eigenen Schulart, mit „CLOU an der Nahtstelle“ erfolgt ein Blick über diese Grenzen.

Zum Beispiel besuchen VS-Lehrer/innen den Unterricht von MS-Lehrer/innen und umgekehrt. Gemeinsam werden mögliche Synergieeffekte erschlossen.

• Schul- und Unterrichtsentwicklung steht auch ganz im Fokus des geplanten CLOU für Schulleiter/innen. Hier tauschen sich Leiter/innen bei gegenseitigen Besuchen aus, hospitieren Unterricht und reflektieren anschließend wiederum über die Stärken der einzelnen Schulstandorte und nehmen damit Impulse für die Weiterentwicklung des eigenen Standortes mit.

 

3.3. Strukturelle Erweiterung mit „CLOU plus“, eine kooperative Professionalisierung der CLOU-Lehrer/innen.

Dieses Konzept sieht eine institutionalisierte Vernetzung von Hospitationsschulen in OÖ vor. Dabei erklären sich mehrere Kolleginnen und Kollegen (mindestens 4) einer ausgewählten Hospitationsschule bereit, Hospitationsmöglichkeiten anzubieten. Um gegenseitiges Lernen zu ermöglichen, erfolgt parallel in schulübergreifenden Fortbildungen für die CLOU-Lehrer/innen eine Vernetzung der Hospitationsschulen mit dem Ziel, Lerndesigns zu erstellen, zu reflektieren und zu diskutieren sowie weiter zu entwickeln. Dazu erhalten die teilnehmenden Hospitationsschulen bei Bedarf begleitende Unterstützungsmaßnahmen (Fachvorträge, Prozessbegleitung, Evaluation, …).

Mit diesen Formaten soll Weiterentwicklung von Unterricht durch das Lernen voneinander über eine Feedback- und Reflexionskultur ermöglicht werden.

Weiters soll klar strukturierte und inhaltlich definierte Beobachtung als Grundlage des kollegialen Gesprächs herangezogen werden. Die Schwerpunkte werden von den Lehrkräften ausgehandelt, wobei sie sich naturgemäß an pädagogischen Werten orientieren.

 

4. Reflexion und Feedback

Vor allem die Bedeutung der Reflexion im Rahmen aller CLOU-Formate stellt einen wichtigen Baustein beim Aufbau von Expertise dar. Zum Experten wird nach Benke (2010) nur derjenige, der die Spannung zwischen praktischem Handeln und theoretischer Einsicht produktiv bewältigt. Reflexion kann dabei als der kognitive Prozess betrachtet werden, der wahrgenommene Probleme zu verstehen und auch zu lösen ermöglicht (Benke 2010). Reflexion spielt für Lehrkräfte in zweifacher Hinsicht eine Rolle. Während der praktischen Tätigkeit als „reflection in action“, weil Lehrkräfte situativ Entscheidungen treffen müssen, aber optimal auch als Reflexion von bereits geschehenen Handlungen „reflection on action“. (Schön 1983).

Im Rahmen von CLOU liegt der Fokus auf der zweiten Art von Reflexion („reflection on action“). Dort wird aus abgelaufenen Unterrichtssequenzen Lernen ermöglicht. Der Lernprozess kann dabei dadurch erfolgen, dass eigenes Handeln dargestellt, Handlungsmuster hinterfragt und ggf. verändert werden. Das Potenzial besteht vor allem in den kooperativen Elementen dieser Fortbildung. Der Lernprozess kann auch dadurch angeregt werden, dass aus fremden Erfahrungen gelernt wird oder Lernen am Vorbild stattfindet. Voraussetzung ist hier - anders als bei individueller Reflexion des eigenen Handelns - zusätzlich die Deprivatisierung der eigenen Praxis.

 

5. Evaluierung

Das Fortbildungsformat CLOU wird mit zwei Feedbackbögen evaluiert, um Feedback sowohl von den anbietenden als auch den hospitierenden Lehrer/innen einzuholen. Insgesamt kann eine äußerst positive Bilanz gezogen werden.

Zusätzlich zeigen hohe Teilnehmer/innenzahlen und Wartelisten, wie groß der Bedarf eines derartigen Fortbildungsformates ist.

Auch im Rahmen eines Evaluationsprojektes des BIFIE zu „Teamarbeit an NMS - Strukturen, Aufgaben, Arbeitsweisen“ wurde explizit die Bedeutung des CLOU als Unterstützungsmaßnahme für die Umsetzung der NMS, insbesondere auch für Teamarbeit genannt.

Nach Kempfert und Ludwig bringen kollegiale Unterrichtshospitationen unter anderem folgende Vorteile (Kempfert, Ludwig 2010):

• Der Unterricht wird gemeinsam untersucht, erforscht, reflektiert und verbessert.

• Die Lehrperson kann ihre Eigenperspektive mit einer Fremdperspektive vergleichen und bekommt die Chance, blinde Flecken in ihrer Arbeit zu entdecken.

• Neuerungen werden im Unterricht systematisch erprobt und reflektiert.

• Lehrpersonen entwickeln ihre eigene Professionalität wie auch ihre eigene Didaktik weiter.

Solche Netzwerke bieten im Kern Orte und Gelegenheiten für Tauschbeziehungen (Win-win-Beziehungen). Es muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass gute Unterrichts- und Schulpraxis nicht kopiert werden können. Da das Unterrichtsgeschehen vielschichtig und komplex ist, können Umsetzungen, die in einer Klasse und Schule bzw. bei einer Lehrperson gut gelungen sind, nicht einfach auf eine andere Klassensituation, Schule bzw. Lehrperson übertragen werden.

 

CLOU Hospitationsmöglichkeiten geben keine einfachen Rezepte vor, sondern verlangen von der Lehrperson, den eigenen Standpunkt zu bestimmen, ihren eigenen Unterricht im Lichte des Gesehenen zu reflektieren und anschließend eventuell zu adaptieren und weiter zu entwickeln.

Kollegialer Erfahrungsaustausch bei CLOU bietet eine Strategie zur Unterstützung von Unterrichts- und Schulentwicklungsprozessen, die insbesondere für die Entwicklung von Innovationen geeignet erscheint. Diese verbreiten sich häufig entlang informeller persönlicher Beziehungen. Daraus kann man folgern, dass Gelegenheiten für informelle Kontakte unter Lehrer/innen und Schulleiter/innen für die Fortbildung große Bedeutung haben. „Gezieltes Reden über den eigenen Unterricht“, „eigene praktische Erfahrungen weitergeben“ und „von Kolleginnen und Kollegen lernen“ eröffnen neue Dimensionen für die Professionalität des Lehrberufs. Und dabei kann die Überprüfung des eigenen unterrichtlichen Handelns im Austausch auch das fachliche Wissen erweitern.

 

Dahinter steht nach Neuweg (2010, 45) die Auffassung, dass „der Lernprozess nicht nur auf der Theorieebene beginnen kann, weil derartige Lernangebote an den fest etablierten Erfahrungsmustern vorbei ins Leere laufen würden und allenfalls träges Wissen entstünde. Veränderungsprozesse müssen vielmehr an dem ansetzen, was der Lerner erlebt und wie er es erlebt, an den im Erfahrungsprozess erlebten oder eigens durch Rückfragen zu setzenden Irritationen.“

Mit den lernfördernden Organisationsstrukturen von „CLOU“ unterstützt die Pädagogische Hochschule Oberösterreich eine optimale Verbindung von Theorie, Wissenschaft und Praxis in der Fortbildung und will damit einen Weg von „good practice“ zu „next practice“ aufzeigen.

 

Literatur

Benke, G. (2010): Reflexion und Vernetzung als Gestaltungselement der Lehrerfortbildung. Das Projekt IMST. In: Müller, F. H./Eichenberger, A./Lüders, M./Mayr,J. (Hrsg.):Lehrerinnen und Lehrer lernen. Konzepte und Befunde zur Lehrerfortbildung. Münster, 145-159

Berghammer, A.; Meraner, R. (2012): Wirksamkeit der Lehrer/innenfortbildung Erziehung und Unterricht • September/Oktober 7-8|2012. S. 617

Horster, L.; Rolff, H.G (2006): Unterrichtsentwicklung - Grundlagen, Praxis, Steuerungsprozesse. Beltz Verlag. Weinheim und Basel. 2006, S. 202f.

Huber, St. G. (2009): Merkmale guter Fortbildung. In Huber, St. G. (Hrsg.). Handbuch für Steuergruppen. Grundlagen für die Arbeit in zentralen Handlungsfeldern. (S. 183 – 191). Köln: LinkLuchterhand.

Kempfert, G.; Ludwig, M. (2010): Kollegiale Unterrichtsbesuche. Besser unterrichten durch Kollegen-Feedback. Beltz Verlag. Weinheim und Basel. 2. Aufl. 2010. S. 24 Krall, H., Messner, E., Rauch, F. & Seidl, A. (1995). Schulen beraten und begleiten.Innsbruck: Studienverlag.

Lipowsky, F. (2002): Zur Qualität offener Lernsituationen im Spiegel empirischer Forschung - Auf die Mikroebene kommt es an. In: Drews, U./ Wallrabenstein, W. (Hrsg.): Freiarbeit in der Grundschule.126-159. Frankfurt

Lipowsky,F.; Rzejak, D. (2012): Lehrerinnen und Lehrer als Lerner - Wann gelingt der Rollentausch? Merkmale und Wirkungen wirksamer Lehrerfortbildungen. In: Schulpädagogik heute H 5(2012), 1-17.

Mayr, J.; Neuweg, G.H. (2009): Lehrer/innen als zentrale Ressource im Bildungssystem. Rekrutierung und Qualifizierung. In Specht, W. (Hrsg.). Nationaler Bildungsbericht. Österreich 2009. Band 2 (S.99-119). Graz: Leykam.

Petrovich, A.; Svecnik, E. (Hrsg.) (2015): BIFIE- Teamarbeit an NMS-Strukturen, Aufgaben, Arbeitsweisen.

Rolff, H.G. & Schley, W. (2006): Next Practice. Editorial. Journal für Schulentwicklung, (1), 4-8

Schratz, M. (2012a). Die Neuordnung der Lehrerbildung in Österreich. In Schulpädagogik

heute, 5 (2012), 3, S.1-13

Schön, D. A. (1983). The Reflective Practitioner. Arena: Aldershot.

Timperley, H.; Wilson, A.; Barrar, H.; Fung, I. (2007): Teacher professional learning and de-velopment: Best evidence synthesis iteration (BES). Wellington.

Mehrwert

Wirksamkeit von Fortbildung durch das Lernen voneinander über eine Feedback- und Reflexionskultur.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Konzept ist übertragbar

• auf unterschiedliche fachliche und überfachliche Themen

• auf unterschiedliche Schularten

• auf unterschiedliche Zielgruppen in der Fortbildung (Leiter/innen, Lehrer/innen, Multiplikator/innen...)

• auf Studierende der Ausbildung

 

Clou ist 2010 konzipiert und ständig weiterentwickelt worden.

• Fokus auf neue Inhalte nach den aktuellen Herausforderungen

• Fokus auf neue Zielgruppen, z.B. Schulleiter/innen

• Überwinden der Grenzen der Schularten

• Weiter (Professionalisierung) der CLOU-Lehrer/innen mit kollegialer Hospitation

• Vernetzung der Hospitationsschulen zum Austausch und zur Konzeptentwicklung

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Um das Fortbildungsformat des CLOU auch begleitend zu evaluieren, wurden eigens zwei Feedbackbögen konzipiert, um Feedback sowohl von den anbietenden als auch den hospitierenden Kolleginnen und Kollegen einzuholen.

 

Zusätzlich wurde den hospitierenden Lehrer/innen die Möglichkeit der freien Antworten mit „Das möchte ich noch anmerken“ geboten.

 

Auch im zehnten Jahr des CLOU kann nach Auswertung der Fragebögen und persönlichen Rückmeldungen insgesamt eine äußerst positive und gelungene Bilanz gezogen werden.

 

Zusätzlich zeigten die hohe Teilnehmer/innenzahl und Wartelisten in den einzelnen Jahren, wie groß der Bedarf eines derartigen Fortbildungsformates ist.

 

Eine besondere Evaluation des CLOU erfolgte im April 2015. Im Rahmen eines Evaluationsprojektes des BIFIE mit dem Titel „Teamarbeit an - NMS- Strukturen, Aufgaben, Arbeitsweisen“ wurde dabei auch das CLOU-Team an einer ländlichen NMS der 4. Generation interviewt. In diesem Projekt ging es um die Zusammenarbeit von Lehrer/innen außerhalb des Unterrichts (Planung und Organisation von Unterricht, Diskussion von pädagogischen Belangen und Fragen der Schulentwicklung und Austausch über einzelne Kinder bzw. Klassen).

 

Unter anderem wurde in dieser Befragung explizit die Bedeutung des CLOU als Unterstützungsmaßnahme für NMS, insbesondere auch für Teamarbeit genannt.

 

„Profiteure von CLOU sind somit sowohl die Hospitantinnen und Hospitanten als auch die Gastgeber/innen und CLOU hilft dazu beizutragen, dass sich die Lehrer/innen von Einzelkämpferinnen und Einzelkämpfern zu Teamplayerinnen und Teamplayern hin entwickeln … Damit trägt CLOU auch etwas zur Abnahme des Autonomie-Paritätssyndroms bei und neben den Einzelpersonen profitiert auch die gesamte Schule von CLOU …“ (Petrovic, Svecnik 2015, 45)

Positionierung des Lehrangebots

Fortbildung für Pflichtschullehrerinnen und -lehrer während des Schuljahres ohne Einschränkung von Zielgruppen

Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.