Global Health and Humanitarian Work - Inter- und Transdisziplinäre Lehrveranstaltung

Umgesetztes Projekt

Ziele

In Zeiten von stetig zunehmender Globalisierung und Internationalisierung und entsprechenden gesundheitlichen, sowie gesundheitspolitischen und -ökonomischen Folgen, gilt es diesen Themenbereichen auch im medizinischen Curriculum getreu zu werden.

 

Wie im Hochschulranking der internationalen Studierendenvereinigung hervorkam, ist die

internationale Perspektive in den medizinischen Curricula im deutschen Sprachraum jedoch bisher schwach vertreten (s.a. globale-gesundheit.de/cms ).

 

Durch unsere LV soll ein Lehrangebot geschaffen werden, diesbezüglich ausgleichend zu wirken, und das medizinische Curriculum auch abseits eines post-kolonialen Diskurses quer über disziplinäre Grenzen hinweg auszubauen.

 

Im Zuge dieses Vorhabens wurden RednerInnen aus allen Ecken der Welt und Disziplinen eingeladen, ihr Wissen mit den Studierenden zu teilen. Auch Studierende mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen sind eingeladen ihren Horizont zu erweitern, ihre eigenen Erfahrungen im Feld mit einzubringen und mitzudiskutieren.

 

Diese aktuellen Thematiken sollen mit Hilfe neuester Lehrmethoden und basierend auf neurokognitiven Erkenntnissen vermittelt werden. Dabei spielen Interaktivität, vernetzendes und haptisches Lernen, sowie Partizipation eine große Rolle.

Kurzzusammenfassung

Die Lehrveranstaltung "Global Health and Humanitarian Work" ist ein fixer Bestandteil des PhD Programms Public Health und richtet sich zugleich als Wahlpflichtveranstaltung an Studierende der Medizin sowie der Internationalen Entwicklung.

Im transdisziplinären Setting werden mittels diverser, moderner Lehrmethoden die zahlreichen Facetten von

Globaler Gesundheit (Postkolonialismus, angepasste Technologie, Tropenchirurgie & -Medizin, Logistik u.v.m.) beleuchtet und diskutiert.

Bei der Auswahl der Vortragenden wurde ein besonderes Augenmerk auf Diversität - hinsichtlich Herkunft, Arbeitsfeldern, Erfahrung im Feld, sowie Gender Balance - gelegt. Die Vorträge sind interaktiv gestaltet. Statt frontalem Lernen sind die Studierenden angehalten, kritisch mitzudenken, zu hinterfragen, aktiv zu partizipieren und auf multimedialer Ebene an der LV teilzunehmen. So soll „globales Lernen“ ermöglicht und die Erfahrbarkeit von Diversität in der Lehre etabliert werden.

Summary

The course "Global Health and Humanitarian Work" is an elementary part of the curriculum of the MUW PhD programme Public Health. It also serves as an elective class for students of medicine of the Medical University of Vienna as well as the master class of International Development for students at the University of Vienna. In a transdisciplinary setting the various aspects of Global Health, such as postcolonialism, adapted technology, tropical surgery as well as tropical medicine and logistics are illuminated and discussed through various means of media.

 

Regarding the selection of our lecturers we specifically focussed on diversity concerning ethnicity, fields of work, experience in the field as well as gender balance.

 

The lectures are set up interactively. Instead of ex-cathedra learning, the students are challanged to partake by questioning critically, giving their active input on the presented content and holding presentations that are relevant to the overall subject but where they also have some personal attachment to. Through these means, global learning shall be facilitated and the experience of diversity in teaching established.

Nähere Beschreibung

In Zeiten stetig zunehmender Globalisierung und Internationalisierung sowie entsprechenden gesundheitlichen, gesundheitspolitischer und -ökonomischer Folgen, gilt es diese Themenbereichen auch im medizinischen Curriculum behandelt zu sehen.

 

Wie im Hochschulranking der internationalen Studierendenvereinigung hervorkam, ist die

internationale Perspektive in den medizinischen Curricula im deutschen Sprachraum jedoch bisher schwach bis kaum vertreten (s.a. globale-gesundheit.de/cms ) sowohl in der Lehre wie der Forschung - das Schließen dieser Lücke ist den Studierenden ein dringliches Anliegen.

 

Durch unsere Lehrveranstaltung wurde ein Lehrangebot geschaffen, welches in diesem Bereich Pionierarbeit leistet und sich als Teil der Bemühung sieht diese Lücke zu füllen und das medizinische Curriculum auch abseits eines post-kolonialen Diskurses quer über disziplinäre Grenzen hinweg auszubauen. Die aktuellen Thematiken sollen mittels ebenso aktuellen Lehrmethoden, basierend auf rezenten neurokognitive Erkenntnissen über Lernen vermittelt werden. Ein besonderes Augenmerk wurde auf Interaktivität, vernetzendes und haptisches Lernen, sowie Partizipation gelegt.

 

Im Zuge dieses Vorhabens werden RednerInnen aus allen Ecken der Welt und Disziplinen eingeladen, ihr Wissen mit den Studierenden zu teilen. So konnten wir bisher beispielsweise einen Medical Officer aus Sierra Leone mit chirurgischen Erfahrungen aus einem mit medizinischen Versorgungsengpässen geprägten Gebiet als Vortragenden gewinnen. Auch gab es z.B. einen Vortrag eines ruandischen Kollegen über medizinischer Forensik sowie innovativer Best Practice Versorgung für Überlebende sexualisierter Gewalt in seinem Heimatland. Andere Lehrende brachten Erfahrungen aus dem Feld in Afghanistan ein (sowohl aus der Perspektive einer Frau als auch eines Mannes - beide Vortragenden brachten langjährige Erfahrung im humanitären Feld mit), während wiederum andere Vortragende die Schnittstelle zu Water & Sanitation beleuchteten oder etwa in mit partizipativ sowie mit lokalen Techniken und Materialien in Kooperation mit der TU Wien gebautes Krankenhaus im Südsudan vorstellten, samt der zu bedenkenden architektonischen Berücksichtigungen im medizinischen. Ein Kollege der UN Weltraumagentur berichtete über den Einsatz von Geomapping zur Prävention und Planung im Kontext von Krisen. Es sei anzumerken, dass mehrfach auch hochschwangere Lehrende die Sichtbarkeit der Frauen in ihrem Metier unterstrichen (erstere sind im Medizincurriculum fraglich nicht sichtbar oder nonexistent) und ihre Expertise einbrachten.

Die Unterrichtsmaterialien der Vortragenden waren ebenso divers wie das Herkunftsspektrum. Ein Vortragender brachte z.B. zur Veranschaulichung der Globalen Infektionskrankheit "Chagas" einige originale (tote) Raubwanzen aus dem Chaco-Gebiet Boliviens, sowie ein überdimensionelles Tiermodell mit.

 

Die Studierenden, ihrerseits mit unterschiedlichen fachlichen Hintergründen, sind dabei nicht nur eingeladen, ihren globalmedizinischen Horizont zu erweitern, sondern ebenso Ihre eigenen Erfahrungen im Feld mit einzubringen, mitzudiskutieren, und die Lehrveranstaltung entsprechend aktiv mitzugestalten.

 

So wurde der Kurs damit eröffnet, dass sich alle Studierenden in Form eines “Mini CVs” einem Mitstudierenden vorstellen - und Ihren Hintergrund/Motivation zur LV begründen. Der/die Mitstudierende stellte seine/n Partner/in jeweils dem Kurs vor. Dadurch konnten vorweg Interessensgebiete und Hintergründe der Studierenden eruiert werden, und den Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, sich hinsichtlich zukünftiger Bestrebungen und Interessensgebiete zu vernetzen. Der Kurs hatte auch eine Online-Performance auf der Plattform E-learning, wo die entsprechenden Vorträge hochgeladen wurden und diskutiert werden konnten. Interessanterweise vernetzten sich die Studierenden zugleich auch im Rahmen eigener sozialer Netzwerke um längerfristige Kontakte zu etablieren.

 

Im Format kurzer "pitch presentations" werden studentische Vorträge zu lehrveranstaltungsrelevanten Themen abgehalten. Diese reichten von qualitativen Studien, aktuellen gesundheitspolitischen Themen, der Vorstellung an teilgehabten medizinischen Projekten, etc. Komplexe Sachverhalte in begrenzter Zeit vor kritischer Audienz zu präsentieren soll die Studierenden dabei auch eine etwaige wissenschaftliche Karriere und entsprechende Vortragstätigkeit vorbereiten.

 

Weiters sind die Studierenden angehalten, Ihre Kenntnisse zu Globaler Gesundheit in Online-Votings unter Beweis zu stellen. Diese Teachingmethoden bekamen ein äußerst positives Feedback und sollen im Laufe der kommenden Semester weiter ausgebaut werden.

 

Zum erfolgreichen Absolvieren des Kurses ist es zudem erforderlich, einen MOOC .(Massive Open Online Course) zu absolvieren. Bei der diesjährigen Anforderung handelte es sich um das Erlangen des BSAFE Zerfikats der UN - Voraussetzung auch für die Mitarbeit bei den Vereinten Nationen (https://training.dss.un.org/course/category/6).

 

Zusammenfassend unterrichtet die LV Globale Gesundheit im interdisziplinären Kontext mit progressiven Lehrmethoden, und ermöglicht globales, vernetzendes Lernen auf multiplen Ebenen.

Mehrwert

Durch das Projekt ergibt sich eine Vielzahl an Mehrwert, in erster Linie für die teilhabenden Studierenden, jedoch zugleich auch für die Vortragenden und externen Lehrenden. Hier bietet sich eine sich ständig erweiternde Möglichkeit auf Vernetzung innerhalb der Lehre.
Beispielsweise etablierten wir im WS 2019 eine Kooperation via Dr. Pritsch von und mit der Medizinischen Fakultät der LMU München, an der ebenfalls eine LV zum Thema Globale Gesundheit existiert. Durch diese Kooperation sollen unterschiedliche Lehr- und Lernkonzepte ausgetauscht und Lehre insgesamt somit attraktiver gestaltet werden.  
Die nicht primär intendierte Konsequenz der Lehrveranstaltung, welche von Gastvortragenden aus aller Welt getragen wird sowie den verschiedensten Fächern, ist eine doch außergewöhnliche Vernetzung innerhalb der Lehre. Dies umso mehr die Vortragenden ein außergewöhnlich hoher Anspruch an die dargebrachte Lehre vereint sowie die Schnittstelle zur humanitären Arbeit bzw Gesundheit international.
Als Blueprint für die Auslegung der Lehrveranstaltung bzw den Qualitätsanspruch wurden Erfahrungen an der Universität bzw den Lehrkrankenhuäsern Harvards (aber auch anderen sowohl Ivy League wie auch exzellente Lehr- und Lernerfahrungen in Institutionen im Globalen Süden) des Organisationsteams genutzt.

Hier entsteht also eine interprofessionelle/interuniversitäre/internationale Netzwerkbildung sowohl innerhalb wie auch abseits der klassischen Kooperationsachsen und -möglichkeiten.

Aus einem klassischen Blickwinkel wäre die internationale Positionierung sowie der Prestigezugewinn für die Universität zu nennen, ebenso auch die Attraktivität des Universitätsstandort als Trendsetter bzw Innovationsträgerin. Das in den Fokus rücken der Diversitätsaspekte wurde auch von einer einer internen Jury der medizinischen Universität mit dem einem Diversitätspreis gewürdigt.
Aus einem Bickwinkel mit mehr Weitblick ist auch die Sichtbarkeit des Themas nach außen von Relevanz - und auch hier möchte sich die Lehrveranstaltung als Plattform sehen - auch hartnäckig Vorurteile über den Globalen Süden zu revidieren und Lehrende aus Afrika, Asien, Südamerika etc selbst zur Sprache kommen sehen. Dies allein ist eine Rarität in einer Universitätslandschaft, welche Internationalisierung eher als beforschen eines "Fremden" versteht, anstatt einer Einladung Lehrende aus aller Welt gleich ihre Krankheiten, ihre Herausforderungen und ihre Lifehacks und Lösungsansätze vorzustellen.

In einer Zeit, wo eine Unmenge an hochqualitativen online Kursen existiert, wird es umso wichtiger,  den Studierenden durch Face-to-Face Interaktion mit Akteuren aus dem Feld Frage, Anlaufpunkte und Networking - Möglichkeiten -  untereinander sowie mit den Vortragenden - bereitzustellen.

Das bislang in der Lehrveranstaltung erlebte Studierendenkollektiv ist eines mit extensiver Erfahrung aus verschiedenen internationalen Settings und mit hands-on Erfahrung auch in herausfordernden Bedingungen bzw der Bereitschaft sich Herausforderungen zu stellen.

Nicht zuletzt ist es uns ein großes Anliegen, dem University Ranking für Global Health gerecht zu werden. Hier haben sich im deutschsprachigen Raum große Defizite gezeigt. Das Interesse der Studierenden an Themen hinsichtlich Globaler und Internationaler Gesundheit wächst stetig. Dies zeigt sich auch in den zahlreichen Auslandsbestrebungen, seien sie durch Organisationen oder auch selbst organisiert. Diesem Wissensdrang auch lehrtechnisch entgegenzukommen und die diesbezügliche Lücke zu füllen, ist eines der vorantreibenden  Bestreben unserer LV.
Diese LV sie sich als Puzzlestein darin dem Ranking der Universitäten in Global Health gerecht zu werden und das Vakuum im jenen Themenbereich zu füllen: Es gibt den Studierenden die Tools in die Hand um in komplexen Realitäten/Emergencies zu bestehen und agieren zu können. Teil dessen ist auch ein Verständniserwerb für plurale Welten.

Die am schwersten fassbare oder messbare Auswirkung ist jene im Rahmen des "globalen Lernens" (Global Education) - es sind die Rückmeldung der Studierenden, dass die Lehrveranstaltung für sie langfristig wichtig war  - dies nicht um ECTS-Punkte zu gewinnen - sondern als Teil ihrer globalen Bildung, ihrer Menschenbildung, ihres Blickes auf die Welt und ihres Verständnis bzw der Verortung innerhalb derer.

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Das Konzept der LV ist durchaus auf andere Lehrveranstaltungen übertragbar. Neben dem positiven Feedback der Studierenden erreichen uns auch Anfragen anderer Institutionen/Universitäten - einige von diesen auch außereuropäisch situiert - hinsichtlich Möglichkeiten bezüglich Gastlehre und externer Vorträge unserer LV.

So entstanden im Rahmen der Bemühungen zur Lehrveranstaltung auch ein Gastvortrag an der Ben-Gurion Universität in Israel (welcher 2018 überschwänglich begrüßt wurde), sowie auch Beiträge auf der Internationalen Studierenden Konferenz in Kigali 2019 (Ruanda) und diesen Frühsommer folgt eine Einladung an der LMU München einen Gastbeitrag zu halten.

Ebenso ist die Vorstellung des Lehrveranstaltungsformats an der AMEE Konferenz - Association for Medical Education in Europe - vorgesehen. Vorgesehen wäre die dort als dringlich gehandelte Themenerweiterung angesichts einer globalen Welt mit diesem physischen Lehrbeispiel zu beantworten und einen praktischen Anstoß zu "teaching in a global(ized) world" zu liefern.

 

Das Konzept der LV wird jährlich überarbeitet, adaptiert, integriert neu hinzugekommene Erkenntnis und Feedback, sowie Lehrmethoden.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Die Akzeptanz und positive Resonanz des Projekts hat sich bisher jedes Jahr erneut in den durchgehend positiven Rückmeldungen der Studierenden gezeigt. So kam es abseits der universitären Evaluierung zu zahlreichen persönlichen Anschreiben durch die Studierenden, die Ihre positiven Lernerfahrungen rückmeldeten.

 

Auch an der regen Teilnehmerzahl und Kursadhärenz trotz hoher Anforderung (Teilnahmekriterien sind aktive Partizipation, regelmäßige Teilnahme, Abhaltung von Minipitches, Absolvierung eines Online Kurses zu Sicherheit im Feld ) und den jährlich steigenden Teilnehmerzahlen (Verdopplung WS 2019 vgl. mit WS 201) spiegelt sich die Akzeptanz des Projektes wieder.

 

Seitens der Lehrenden ist ihre Motivation ersichtlich, wenn etwa lange Wege teilweise unentgolten auf sich genommen werden, um mit den Studierenden zu interagieren - oftmals wird hervorgestrichen, dass die Lehrveranstaltung sich durch rege Diskussion und inspirierenden Erfahrungsaustausch auszeichnet - so dass sich auch Lehrende unter die Studierenden mischen um den Vorträgen beizuwohnen.

Aufwand

- Privates Tragen von Anreisekosten und Unterkunft für Vortragende von außerhalb von Wien kommend (transfer von know how)

- Zahlreiche unbezahlte Überstunden notwendig für Administration, Organisation, Vorbereitung, zusätzlich zur laufenden klinischen Tätigkeit in z.T. Akutabteilungen

Positionierung des Lehrangebots

Diplomstudium Humanmedizin, Masterstudium Internationale Entwicklung, PhD-Programm Public Health, jeglicher Studienabschnitt, Abhaltung Wintersemester

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.