Seminar "Entwicklungen in der Informations- und Wissensgesellschaft"

Umgesetztes Projekt

Ziele

1. Ziele

Studierende

...analysieren die Zusammenhänge von Bildungsarbeit und gesellschaftlichem

Wandel.

...erkennen und beschreiben die aktuellen Entwicklungen in der Wissens-und

Informationsgesellschaft.

...lernen Methoden der online Publikation (Blog, Podcast) und Online Kommunikation kennen

...lernen kollaboratives Arbeiten im Internet kennen

 

2. Motive

Für das Seminar war es erforderlich, eine Konzeption zu entwickeln, die es ermöglicht, Grundlagen des Wissensmanagements zu vermitteln, Einblicke in die Entwicklungen der Informationsgesellschaft zu geben und beides durch praktische individuelle und kollaborative Aufgaben zu verbinden. Medienbildung wird so in das Lernen und Lehren implementiert. Dazu kam der persönliche Anspruch reformpädagogische Ansätze von Celestin Freinet (Freier Ausdruck, individuelle Interessen als Ausgangspunkt des Lernens, demokratische und selbstbestimmte Lernorganisation) mit der Nutzung von aktuellen digitalen Lernumgebungen zusammen zu führen. Das hier entwickelte Seminardesign dient einerseits für thematisch andere Lehrveranstaltungen als Beispiel und ist andererseits als Modell für ein berufsbegleitendes Lehrveranstaltungsangebot einsetzbar. In einem nächsten Schritt soll das Seminardesign vollständig als online Lehrveranstaltung weiterentwickelt werden.

 

3. Ausgangslage

 

In der Ausbildung zur Primarstufenlehrer*in ist die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Entwicklungen erforderlich. Das Voranschreiten der Digitalisierung in Produktions- und Beratungsprozessen, die Auseinandersetzung mit Online Kommunikation sowie die Bedeutung der technologischen und wirtschaftlichen Entwicklungen für die Arbeit (auch im Bildungsbereich) sind zentrale Themen der Lehrveranstaltung.

Dem Thema der Lehrveranstaltung entsprechend ist der Einsatz digitaler Lernumgebungen naheliegend. Medienbildung ergibt sich durch die praktische Nutzung und die Reflexion der Lernprozesse. Seit der Gründung (2007) der Pädagogischen Hochschule Wien wurde im Rahmen von Schwerpunktsetzungen zur Unterstützung der Lehre am Aufbau von digitalen Lernumgebungen gearbeitet. Durch die Installation und Wartung von Open Source Werkzeugen wie moodle, mahara, wordpress, lime survey u.a. sowie die damit verbundene Einschulung und Beratung für Lehrende und Studierende wurden seitens des Zentrums für Medienbildung (2007-2014, Leitung Dr. Gerhard Scheidl) und durch das Zentrum für Lerntechnologie und Innovation (seit 2014, Leitung Dr. Klaus Himpsl-Gutermann) die Grundlagen und Rahmenbedingungen für den Einsatz digitaler Lernmittel in der Lehre geschaffen.

2008 wurde moodle als Lernplattform an der Hochschule eingerichtet (https://phoodle.phwien.ac.at)

2010 wurde mit dem Medienarchiv (https://medienarchiv.phwien.ac.at) eine Plattform zur systematischen Speicherung von Medien unterschiedlichster Formate, jedoch mit einem standardisierten Metadatensatz entwickelt. Diese wurde 2019 auch für Podcast-Publikation erweitert.

2019 wurde zusätzlich die Online Kommunikationsplattform „ZOOM“ (https://zoom.us) für den Einsatz in der Lehre erprobt, evaluiert und implementiert.

 

„Wenn die Medien sich verändern, verändert sich die Gesellschaft“ philosophierte der Gesellschaftstheoretiker und Literaturkritiker Walter Benjamin im Jahr 1905. Es liegt jedoch nahe , dass in den komplexen Gefügen der sozialen Gesellschaftsstrukturen auch der Umkehrschluss durchaus Gültigkeit hat. Festzustehen scheint: Gesellschaft verändert sich in Abhängigkeit ihrer medialen Möglichkeiten und technologischen Rahmenbedingungen. Wenn nun die Schule die Aufgabe hat, junge Menschen zu verantwortungsbewussten Gliedern der Gesellschaft heranzubilden (vgl. §2 SchOG), dann steht in dieser Wechselwirkung der Veränderungsdynamik aber auch außer Zweifel, dass sich – um für die Gesellschaft von morgen gerüstet zu sein – auch Schule verändern und weiterentwickeln muss. Davon ist in weiterer Folge natürlich auch die Lehrer*innen*bildung betroffen, die sich nun der Herausforderung zu stellen hat, dass jene Schule von morgen, auf die sie vorbereiten soll, nicht dieselbe sein soll, wie die Schule von heute.

Wissensmanagement umfasst alle möglichen human- und technikorientierten Interventionen und Maßnahmenpakete, um die Wissensproduktion, -reproduktion, -distribution , -verwertung und -logistik in einem Unternehmen optimieren zu können. Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Mobilisierung der individuellen und kollektiven Wissensbestände bzw. auf den Lernprozessen zur Veränderung und Verbesserung der Wissenspotenziale der im System arbeitenden Personen. Reimann (2005, S.5) sieht den Nutzen von Wissensmanagement in pädagogischen Kontexten in der Chance, deutlich zu machen, welchen Einfluss Organisationen und und deren Subsysteme auf pädagogische und psychologische Prozesse nehmen können. Methoden des Wissensmanagements können hier unterstützen, die Beziehungen zwischen Organisationen, Teams und Individuen zu erkennen. Die operative Umsetzung dieser Ansätze erfolgt einerseits mit traditionellen Leistungen und Angeboten ( z.B.: Bibliotheken, Medienstellen, Informatikdienste) als auch durch die Implementierung von lokalen und webbasierten Angeboten in virtuellen Lern- und Arbeitsumgebungen. Die Explikation von Wissen mit unterschiedlichen Medien und in unterschiedlichen Modalitäten bedingt in der Konsequenz einen reflektierten Umgang mit Medien. Daher wird Medienbildung heute als einer der Schlüsselbegriffe in der Lehrer*innen*bildung verstanden. Dabei gilt es nicht nur die Fertigkeiten und Fähigkeiten zur Bedienung von Geräten und Programmen zu vermitteln, sondern ebenso die dahinterliegenden Zusammenhänge der Kommunikation, Publikation und Distribution von Wissen. Medienbildung wird dabei als Ziel medienpädagogischen Handelns gesehen, zu dessen Erreichen Medienkompetenz als Bündel von Fähigkeiten ausgebildet werden muss (vgl. Schorb 2017 und Frankfurter Dreieck 2019).

 

Literatur:

Gesellschaft f. Informatik (2019), Frankfurt-Dreieck , online unter: dagstuhl.gi.de/fileadmin/GI/Allgemein/PDF/Frankfurt-Dreieck-zur-Bildung-in-der-digitalen-Welt.pdf (visit 5.2.2020)

 

Reinmann, G. (2005). Wissensmanagement und Medienbildung - neue Spannungsverhältnisse und Herausforderungen. MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie Und Praxis Der Medienbildung, 2005(Occasional), 1-16. Online unter: doi.org/10.21240/mpaed/00/2005.05.31.X (visit 5.2.2020)

 

Bernd Schorb, Anja Hartung-Griemberg, Christine Dallmann (Hrsg)(2017), Grundbegriffe Medienpädagogik, 6., neu verfasste Auflage, kopaed München

 

SchOG : Bundesgesetz vom 25. Juli 1962 über die Schulorganisation (Schulorganisationsgesetz).

StF: BGBl. Nr. 242/1962, Online unter: www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe (visit 5.2.2020)

Kurzzusammenfassung

Mit der Einführung des neuen Curriculums zum „Bachelorstudium für das Lehramt Primarstufe“ mit Studienjahr 2015/16 wurde das mit 3 ECTS Punkte veranschlagte Seminar „Entwicklungen in der Informations- und Wissensgesellschaft“ erstmals an der Pädagogischen Hochschule Wien angeboten. Es galt daher unter Ausnutzung der vorhandenen technischen Infrastruktur ein den Inhalten entsprechendes Lehrveranstaltungsdesign zu entwickeln.

Es werden aktuelle Themen aus der Entwicklung der Informationsgesellschaft mit Methoden aus dem Wissensmanagement gekoppelt. Zur Kommunikation und Organisation der Lehrveranstaltung wird ein geschlossener Moodle-Kurs (hoher Grad an selbstorganisiertem, e-learning unterstütztem, angeleitetem Selbststudium) genutzt. Die Präsenztermine der LV werden sowohl im Seminarraum der PH Wien als auch Online im Webraum auf Zoom abgehalten („blended learning“). Die Grundbegriffe werden durch Textanalysen auf Moodle individuell erarbeitet. Schwerpunktthemen werden als kollaborative Gruppenarbeit recherchiert und publiziert. Die Ergebnisse der Recherchen und thematischen Auseinandersetzungen werden mit offenem Zugang als „Open Educational Ressources“ (OER) in Form von Blogbeiträgen (https://podcampus.phwien.ac.at/digimed/category/wissens-und-informationsgesellschaft/ ) und einer Podcastreihe (https://medienarchiv.phwien.ac.at/category/genre/podcast/phon-mediensplitter/) verfügbar gemacht.

Summary

With the introduction of the new curriculum for the "Bachelor's degree for primary school teaching" with the academic year 2015/16, the seminar "Developments in the Information and Knowledge Society" with 3 ECTS points was offered for the first time at the University College of Teacher Education Vienna. It was therefore necessary to develop a course design corresponding to the content, using the existing technical infrastructure.

Current topics from the development of the information society are coupled with methods from knowledge management. A closed Moodle course (high degree of self-organized, e-learning-supported, guided self-study) is used to communicate and organize the course. The attendance dates of the course are held both in the seminar room of the PH Vienna and online in the web room on zoom ("blended learning"). The basic terms are worked out individually through text analysis on Moodle. Key issues are researched and published as collaborative group work. The results of the research and thematic discussions are open access as "Open Educational Resources" (OER) in the form of blog posts (https://podcampus.phwien.ac.at/digimed/category/wissens-und-informationsgesellschaft/ ) and one Podcast series (https://medienarchiv.phwien.ac.at/category/genre/podcast/phon-mediensplitter/ ) made available.

Nähere Beschreibung

Der theoretische Hintergrund der Lehrveranstaltung „Entwicklungen in der Informations- und Wissensgesellschaft“ basiert auf dem aus dem Wissensmanagement stammenden Modell der Wissenstreppe (North 2016, S33ff) und dem SECI Modell (Nonaka, S73ff) . Die Wissenstreppe erklärt die Entwicklung vom Zeichen bis zur Wettbewerbsfähigkeit. Hier werden die Bausteine und Zusammenhänge der Wertschöpfung in der Informationsgesellschaft verdeutlicht. Die vorletzte Stufe ist der Kompetenzerwerb. Hier fließen Wissen und Erfahrung zusammen. Im Lehrberuf ist auch die Haltung (reflektiertes und daraus begründetes Handeln) ein wesentlicher Faktor für gelingenden Unterricht. Ziel ist daher neben dem Wissenserwerb auch die Erarbeitung einer persönlichen Position zu den Themen des Seminars Dies geschieht im Kontext der eigenen Werteskala, die dabei ebenfalls reflektiert wird.

Grundlage für die Erweiterung der Kompetenz ist ein kontinuierlicher Transfer von implizitem zu explizitem Wissen, das dann den Wissensträger*innen zur Verfügung steht.

Die Zunahme des Wissens und der Kompetenz erklärt das SECI Modell. Das SECI Modell geht von der Annahme aus, dass – damit organisatorisches Wissen kreiert werden kann – das individuelle implizite Wissen der Organisationsmitglieder einen dynamischen Übertragungsprozess durchlaufen muss. Dazu kombinieren sie im „SECI Modell“ explizites und implizites Wissen zu vier verschiedenen Formen der Wissensübertragung: Sozialisation, Externalisierung, Combination und Internalisierung. Die vier Formen der Wissensübertragung werden zyklisch immer wieder durchlaufen. Je häufiger die Wissensspirale durchlaufen wird, desto komplexer wird das organisatorische Wissen.

Auch wenn die Modelle aus dem Kontext der Wirtschaftsorganisation stammen, lassen sich die hier dargestellten Modelle gut auf das Lernen in der Organisation Schule / Hochschule übertragen.

In der Informationsgesellschaft ist eine weitere Grundlage die Möglichkeit zur Nutzung einer passenden, dem state of the art entsprechenden Online Lernumgebung, die sowohl die erforderliche Kommunikation als auch die Informationen in Wissensspeicher transparent und verfügbar macht.

Für die Organisation und Kommunikation wird ein Moodle Kurs und die Webplattform „ZOOM“ genutzt. Als dynamischer Wissensspeicher dient in der Lehrveranstaltung der „Seminarblog“ sowie das „PH-Medienarchiv“.

 

Das vorliegende Konzept des Seminars wurde in drei Schritten entwickelt und erprobt:

Im ersten Schritt wurden Themen und Inhalte ausgewählt sowie ein diskursives „blended learning“ Konzept zur Umsetzung mit der Lernplattform Moodle entwickelt. Der Moodle Kurs ist geschlossen und nur den Teilnehmer*innen des Seminars zugänglich. Dies ermöglicht einen Diskurs und ein Experimentieren im geschützten Raum. Dieses Konzept wurde erstmals im Studienjahr 2017/18 in zwei parallelen Lehrveranstaltungen zwei Semester lang eingesetzt.

Im zweiten Schritt wurde ab dem Studienjahr 2018/19 neben Moodle ein „Seminarblog“ mit dem CMS Wordpress eingerichtet (https://podcampus.phwien.ac.at/digimed/category/wissens-und-informationsgesellschaft/ ). Beim dritten Schritt wurde im Studienjahr 2019/20 zusätzlich das Medienarchiv (https://medienarchiv.phwien.ac.at/category/genre/podcast/phon-mediensplitter/) für Audioproduktionen (als Podcastreihe) sowie die Kommunikationsplattform www.zoom.us für synchrone Webinare zum Einsatz gebracht. Sowohl der „Seminarblog“ als auch das „PH-Medienarchiv“ bieten Inhalte offen zugänglich unter einer Creative Commons Lizenz zur weiteren Nutzung an. Die so geschaffenen Produktionen werden damit als Offene Bildungsressourcen (OER) zum Lehrmaterial für kommende Seminare / Lernprozesse.

 

Die Lehrveranstaltung ist im Curriculum mit 3 ECTS Punkten bewertet. Dies bedeutet einen Gesamtaufwand für Studierende im Umfang von 75 Stunden. Neben den Präsenzphasen (10 Termine zu 3 Einheiten / insgesamt 30 Einheiten = 22,5 Stunden) ist die verbleibende Zeit (52,5 Std.) dem Selbststudium und der eigenständigen Arbeit an den Aufgabenstellungen zu widmen.

Im Moodle Kurs werden Materialien (z.B.: Texte, Videos, Apps ...) für die Einzelarbeit und als Ausgangspunkte für die Recherche eines Schwerpunktthemas (Gruppenarbeit) zur Verfügung gestellt. Ebenso sind die bereits im „Seminarblog“ (https://podcampus.phwien.ac.at/digimed/category/wissens-und-informationsgesellschaft/) vorhandenen Beiträge zum Thema zu berücksichtigen.

Die individuelle Auseinandersetzung mit den Modellen des Wissensmanagements und weiteren multimedialen Texten führt zur Klärung von grundlegenden Begrifflichkeiten, die gleich auch in der Praxis zur Anwendung kommen. Diese kritische Lektüre von theoretischen Basistexten ist in Einzelarbeit zu machen und eine Stellungnahme (Erarbeitung einer eigenen Position) im Moodle Kurs abzugeben.

 

In Kleingruppen werden zu den Schwerpunktthemen Diskussionen in der Präsenzphase inhaltlich vorbereitet und moderiert. Derzeit stehen den Studierenden folgende Themenbereiche zur Auswahl:

# Schulentwicklung (Organisationskonzepte, Bildungspläne, Utopien, Schulversuche,...)

# IT Konzerne (Google, Facebook, Amazon, Apple, Microsoft, ...)

# Internet der Dinge

# Überwachung

# Vernetzung

# Datenschutz

# Medien-Ethik

# Robotik

# Künstliche Intelligenz

# Medienaktivismus

# Fake News

# Tools im Bildungsbereich

Der Pool der Themen wird jedes Semester erweitert, die angebotenen Ausgangsmaterialien in Moodle aktualisiert und ergänzt. Aus den Themen ist pro Gruppe (3-4 Studierende) eines auszuwählen. Die Abstimmung der Themenauswahl sowie die zeitliche Abfolge wird im Plenum festgelegt. Innerhalb des Themas recherchiert die Gruppe und definiert ihren Schwerpunkt. Zum Schwerpunkt werden kollaborativ multimediale Blogbeiträge im Hypertextformat sowie ein Audiopodcast erstellt. Die Ergebnisse der Recherchen werden als Blogbeiträge bzw. als Audiopodcast publiziert und anschließend in den Präsenzveranstaltungen diskutiert und reflektiert..

Für die Entwicklung der Gruppenarbeit wird auf Moodle ein Lerntagebuch geführt. Die Koordination in der Arbeitsgruppe erfolgt durch die Studierenden in selbst gewählter Form. Die Aufgaben sind von jedem/jeder Studierenden im Moodle Kurs der Lehrveranstaltung abzugeben. Sowohl bei der Produktion der Blogbeiträge als auch der Podcasts gibt es Beratung und Unterstützung seitens des Lehrenden. Ebenso moderiert der/die Lehrende die thematischen Diskurse auf Moodle und im Seminarblog.

### Selbstorganisiertes Lernen, tastendes Versuchen und Freier Ausdruck

Zuerst werden die Anforderungen, Aufgaben und Themen der LV klargestellt. Die Seminarteilnehmer*innen entscheiden anschließend eigenständig, wann und wie die Einzelaufgaben innerhalb des der LV zugeordneten Zeitrahmens erledigt werden. Die Arbeitsgruppen (Teams) für die Schwerpunktthemen werden von den Teilnehmer*innen selbst gebildet. Die Themenauswahl sowie die Zeitpunkte für die reflektierenden Diskussionen werden unter Beteiligung aller Teilnehmer*innen festgelegt.

Jedes Team organisiert eigenständig die Recherche und bereitet die Publikation sowie die Moderation der Diskussion vor. Jedes Team hat mindestens einen Blogbeitrag sowie eine Audioproduktion als Podcast zu publizieren. Die Arbeitsfortschritte werden in Moodle für alle einsehbar gemacht.

Für die Klärung der Arbeitsorganisation sind 3x3 Einheiten vorgesehen. Weitere 2x3 Einheiten dienen der Einführung in die Publikation von Blogbeiträgen, der Podcastproduktion sowie den Grundlagen des Medien- und Urheberrechtes. Dabei werden Freiheit und Pflichten in der Onlinekommunikation thematisiert. Im Zeitalter von Internetkapitalismus, HateSpeech und Roboterprogrammen müssen sich Lehrer*innen dazu eine Haltung und eine zugrundeliegende Wertestruktur erarbeiten.

Die Demokratisierung der Lernorganisation sowie die Förderung des kreativen Ausdrucks ist kein neuer pädagogischer Ansatz, sondern wurde schon in den Schriften von Elise und Celestin Freinet vor etwa 100 Jahren festgehalten (vgl. freinetgruppewien.wordpress.com/freinetpadagogik/). Innovativ hingegen ist es, die pädagogischen Ansätze von Freinet (z.B. Letterndruckerei) auf die heute vorhandenen Produktionsmittel und Kommunikationswege anzupassen und zu erproben. Dabei werden die Methoden des „Forschendes Lernen“,der „Community of Practice“ oder der „Lernwerkstätten“ berücksichtigt und genutzt (vgl. nawima.phwien.ac.at/tag/forschendes-lernen/ ).

### Der Podcast als Lern- und Lehrmittel

Die mündliche Überlieferung von Wissen ist eine der ältesten Formen von Lernen. „Ein Podcast ist wie früher ein Gespräch am Lagerfeuer“ meinte ein Podcaster. Im Podcast ist Zeit Themen langsam diskursiv mit Expert*innen oder auch ähnlich interessierten Personen zu entwickeln. Ein Podcast fordert von dem/der Zuhörer*in auch konzentrierte, fokussierte Aufmerksamkeit. Zudem bietet der Podcast auch die Möglichkeit die eigenen Gedanken nachzuhören und weiterzudenken. Mehr zum „Sprechenden Denken“ wird im Podcast CRE220 von Tim Pritlove im Gespräch mit Moritz Klenk, Kulturwissenschafter, der darüber seine Dissertation verfasst hat, erörtert. Ein Podcast ist keine wissenschaftliche Arbeit aber die Methode des Produzierens und Publizierens eröffnet unterschiedlichste Methoden zur Transformation von Erfahrungswissen. Es ermöglicht internales Wissen explizit zu machen und somit zur Sozialisation (vgl. SECI Modell) der Erfahrungen beizutragen. Die Produktion eines Podcasts führt unmittelbar zur Auseinandersetzung mit einem Thema, Gespräche mit Expert*innen knüpfen auch direkt an den eigenen Erfahrungen und dem eigenen Wissen an. Dies ist eine sehr positive Grundlage für Lernprozesse. Rückmeldungen von Studierenden stärken diese Hypothese.

Durch die Erweiterung auf die Podcastproduktion wird einerseits der aktuellen Entwicklung bei der Mediennutzung ( ca. 34 % der Erwachsenen in Deutschland hören podcasts, vgl Holland 2019) und andererseits der Diversität in der Medienrezeption Rechnung getragen.

Als Gestaltungsformat kann die Aufzeichnung von Interviews mit ExpertInnen, Umfragen zum Thema oder auch Gruppendiskussionen genutzt werden. Der Audiopodcast ist im PH- Medienarchiv als Podcastreihe abonnierbar (https://medienarchiv.phwien.ac.at/category/genre/podcast/phon/feed ).

### Open Educational Ressources (OER) – Offene Bildungsressourcen

Offene Bildungsressourcen werden in der Informationsgesellschaft zunehmend wichtiger. Durch die Vorgabe, die Ergebnisse der Lehrveranstaltung unter einer Creative Commons Licence (vgl. creativecommons.org/share-your-work/ ) zu publizieren, werden die produzierten multimedialen Texte automatisch zu Offenen Bildungsressourcen, die im Weiteren für die nichtkommerzielle Nutzung insbesondere im Bildungsbereich frei zur Verfügung stehen. Dies erfordert seitens der Studierenden eine zumindest grundsätzliche Auseinandersetzung mit dem auch im Internet gültigen Medien- und Urheberrecht sowie anderseits mit der Didaktik und dem Aufbau von Online Medien. Gleichzeitig erleben sie die praktische Nutzung von Open Science. Letzteres wird zunehmend seitens des Europarates und der Europäischen Union forciert und ist somit Teil der thematischen Auseinandersetzung mit den Entwicklungen in der Informationsgesellschaft.

 

Quellen:

CRE 220 Tim Pritlove, Moritz Klenk „Sprechendes Denken“, Online unter cre.fm/cre220-sprechendes-denken (visit 20.12.2019)

Holland, M. (2019), Umfrage: Jeder Dritte in Deutschland hört Podcasts, in heise online. Abrufbar unter: heise.de/-4537450 (visit: 5.2.2020)

Nonaka, I., Takeuchi, H. (1997), Die Organisation des Wissens, Campus Verlag, Frankfurt/Main

North K. (2016), Die Wissenstreppe. In: Wissensorientierte Unternehmensführung. 4 Aufl. Springer Gabler Verlag, Wiesbaden, Germany

Mehrwert

Mehrwert für Studierende:
Lernenerleichterung durch Online Phasen (Wegfall von Fahrtzeiten, orts- und zeitunabhängige Beteiligung), Berücksichtigung der eigenen Interessensgebiete
Mehrwert für Lehrende:
Dokumentation des Lernprozesses und der Ergebnisse, Nutzung der Ergebnisse für weitere Lehrveranstaltungen (OER)
Bedarfsorientierte Weiterentwicklung der digitalen Lernumgebung an der PH Wien

Ist das Konzept auf andere Lehrveranstaltungen bzw. Lehrsituationen übertragbar? Wird das Konzept längerfristig eingesetzt und weiterentwickelt?

Die grundsätzliche Konzeption ist auf andere Themen und Inhalte übertragbar. Eine weitere Entwicklung für berufsbegleitende Lehre insbesondere als Online Lehrveranstaltung ist in Planung.

Ist die Akzeptanz des Projekts gegeben? Welche Evidenzen (z.B. Evaluierungsergebnisse) gibt es hierfür?

Aus den Reflexionen und Feedbacks der Studierenden ist abzulesen, dass es teilweise Probleme bei der Umstellung der eigenen Lernhaltung gab. Diese Problematik hat sich jedoch bei den meisten rasch gelegt, sobald verstanden wurde, dass es vor allem um den persönlichen und kollektiven Lernzuwachs und weniger die Wiedergabe von bestehendem Wissen geht. Vernetztes Lernen und Lehren erfordert auch eine entsprechende Haltung zum Wissenserwerb.

Aufwand

Da mit den bereits vorhandenen digitalen Tools der PH Wien gearbeitet wird, gab es keine zusätzlichen Kosten in diesem Bereich. Die Vorbereitung der Lernprozesse ist sicherlich aufwendiger. Eine statistische Erhebung bezüglich Zeitaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Lehrveranstaltungen wurde nicht erhoben.

Positionierung des Lehrangebots

Bachelorstudium Lehramt Primarstufe, Pflichtseminar Bildungswissenschaftliche Grundlagen, 6. Semester, 3 ECTS

Weiterführende Information


Das Beispiel wurde für den Ars Docendi Staatspreis für exzellente Lehre 2020 nominiert.